SolarVillage

Biogas

 

Im April 2010 wurde im Testfeld 1 mit dem Bau einer Biogasanlage begonnen, im Sommer 2011 wurde eine zweite Anlage gebaut und mit der ersten kombiniert. Beide Bauphasen standen im Rahmen der Ausbildung der Studenten des Globalen Campus. Vertreter von globalen Friedensprojekten, zum Beispiel der Friedensgemeinschaft „San José de Apartadó“ in Kolumbien, der „Favela da Paz“ in São Paulo in Brasilien und Philipp Munyasia von Otepic aus Kenia, konnten durch ihre Mitarbeit das Prinzip einer solchen Anlage erlernen. Dieses Wissen soll ihnen den Weg bereiten, an ihre Wohnorte angepasste Biogasanlagen aufzubauen, als Beitrag für die Energieautonomie der Friedensprojekte.

 

Das Einbeziehen einer Biogasanlage in das Testfeld verbessert vor allem die Situation während der relativ sonnenarmen Tage im Winter und im Sommer auch am frühen Morgen und am Abend. Mit dem Biogas kann die Küche in der winterlichen Regenzeit, wo die direkte solare Leistung nicht ausreicht, betrieben werden. Wir werden zusätzlich in Versuchen auch einen Kühlschrank und einen Generator mit Biogas betreiben. Dies ist eine Möglichkeit für Länder mit tropischer Hitze und ständiger Bewölkung wie z.B. Kolumbien, das Thema der Kühlung mit einzubeziehen. In solchen tropischen Regionen mit viel Biomasse und wenig direkter Sonneneinstrahlung kann Biogas die Hauptquelle für Energie, auch zum Kochen, sein.

 

Die Anlage verwertet verschiedenste Formen von Biomasse, wir „füttern“ sie mit zerkleinerten Küchen- und Gartenabfällen. So werden aus einem so genannten Abfallprodukt zwei hochwertige Quellen für Energie und Landwirtschaft: 1. Biogas und 2. lebendiger Flüssigdünger. Eine echte „win-win“ Situation und eine dezentrale, einfache Lösung für vieles.
Außerdem wird hier im Gegensatz zu üblichen Großanlagen keine hoch energetische Biomasse wie Mais oder Getreide aus großen Monokulturen benötigt, die aufwendig gedüngt werden muss und mit der Lebensmittelproduktion in Konkurrenz steht, und sie ist auch nicht in Verbindung zu Massentierhaltung, wie bei den Anlagen, die Tiermist für die Gasgewinnung verwerten. Die Anlage im Testfeld ist eingefügt in ein ökologisches und menschliches System, das wir ganz bejahen können.

 

Unsere Anlage kombiniert zwei Fermenter:
Es wird eine in Nepal und China vielfach bewährte Bauweise dabei erstmals auf europäische und vegane Verhältnisse modifiziert und umgebaut. http://journeytoforever.org/biofuel_library/methane_nepal.html

 

Deshalb werden einige zusätzliche Elemente, vor allem für die Temperatursteuerung, eingefügt, die Anlage wird mit Hilfe von Solarkollektoren auf Temperatur gehalten.

 

Der zweiten Gärbehälter wurde mit dem Städteplaner und Energieaktivisten T. H. Culhane aus USA (http://solarcities.blogspot.com) neben die solare Küche gebaut. Gelernt hat T.H. Culhane bei Dr. Anand Karve vom ARTI-Institut (Poona, Indien). http://www.arti-india.org/index.php?option=com_content&view=article&id=45

 

Dr. Anand Karve nutzte in den von ihm entwickelten Mini-Biogasanlagen statt dem üblichen Kuhdung Küchenabfälle. Sein Fazit: "Es ist 400 mal effektiver als das System mit Kuhmist."

 

T. H. arbeitet seit Jahren in den Slums von Kairo und in anderen afrikanischen Ländern, um gemeinsam mit den Menschen dezentrale Lösungen für Energieerzeugung zu entwickeln. In den ärmsten Siedlungen, im afrikanischen Busch und in Slums experimentierte er zusammen mit den Anwohnern. Sie benutzten, was vorhanden war - Eimer, Plastikkanister, Schläuche, alte Gaskocher - um damit einen Biogas-Fermenter, ein darüber eingehängtes, fast ebenso großes Gasgefäß, die Zuflüsse für die Küchenabfälle, die Outlets für Gas und den Flüssigdünger und Endgeräte zusammen zubauen.

 

Im Testfeld von Tamera sind die beiden Fermenter auf 6000 l und 3000 l dimensioniert und können pro Tag 90 l „Biomasse-Brei“ verarbeiten (Das sind grob geschätzte 10 kg Küchenabfälle, gemischt mit warmem Wasser). So viel fällt bei Hochbetrieb in der Küche auch an. Damit kann täglich Biogas für 18 Stunden auf kleiner Flamme oder 9 Stunden auf großer Flamme erwartet werden. Wir verfolgen die Entwicklungen, erfassen die Basisdaten (Temperatur, „Fütterung“, pH-Wert und Menge an produziertem Gas) um weitere Entwicklungen vornehmen zu können und die nächsten Anlagen noch optimaler zu gestalten. Das Wissen stellen wir gerne zur Verfügung – und wir freuen uns über Studenten, die diese Anlage forschend begleiten möchten.

 

Broschüre zum Bau einer Biogasanlage:
biogas_digester.pdf (english) - by Valerio Marazzi - ARCò, Italy
digestorDeBiogas.pdf (Portugues) - by Valerio Marazzi - ARCò, Italy

 
Videos und Songs über die Arbeit von T. H. Culhane:
http://youtube.com/tculhane
http://melodic-mnemonics.blogspot.com/2009/11/making-biogas-is-gas-gas-gas.html
http://melodic-mnemonics.blogspot.com/2009/01/talkin-trash.html
 
Thanksgiving Song (More and More):
http://melodic-mnemonics.blogspot.com/2008/08/as-we-sow-so-shall-we-reap.html
 

 
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