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Freie Sexualität und Partnerschaft

Dieter Duhm, Februar 2014

Zusammenfassung: Freie Liebe ist die Verbindung von freier Sexualität und Partnerschaft. Da, wo sich Liebende nicht mehr belügen oder verlassen müssen, wenn sie sich anderen liebend und sexuell zuwenden, beginnt eine Kultur des Vertrauens.

Das Drama der Welt ist ein Drama der Liebe. Die Menschheit leidet an Liebeskummer. Das gilt für alle Liebesbeziehungen, seien sie heterosexuell oder homosexuell. Wir haben uns in unserem Projekt auf die Beziehung zwischen Männern und Frauen konzentriert. Ich denke aber, dass die meisten Ausführungen in diesem Aufsatz für alle Beziehungsformen gelten. 

Die beiden Hälften des Menschen, Mann und Frau, haben sich Generationen hindurch gesucht und - verfehlt. Bei der Gründung des Projekts Tamera waren beinahe alle Liebesbeziehungen meiner früheren Freunde zerbrochen. Die vielen politischen und alternativen Gruppen scheiterten meistens am Thema Sex und Liebe. Wir können in der Welt keinen Frieden erzeugen, solange dieses Thema ungelöst bleibt. Vor allem dreht es sich darum, eine authentische Antwort zu finden auf die Frage, wie das wilde sexuelle Verlangen der Menschen mit der Sehnsucht nach der einen großen Liebe zusammenpaßt. Gibt es eine Lösung für den scheinbaren Widerspruch von freier Sexualität und Ehe?

Ich schreibe als Sprecher des Projekts Tamera. Im Zentrum des Projekts steht die Arbeit am Thema Sex-Liebe-Partnerschaft. Wir wollten von Anfang an einen Lebensraum aufbauen, in dem es eine Lösung dieses Themas geben könnte. Zu den ethischen und sozialen Grundlagen von Tamera gehört das Prinzip der freien Sexualität. Viele Menschen kommen deshalb nach Tamera, sie wollen raus aus den alten Bindungen und nachholen, was sie bisher versäumt haben. Einige kommen auch gerade deshalb nicht nach Tamera; sie haben Angst, ihren Partner zu verlieren, wenn sie sich einlassen auf das Experiment der freien Sexualität. Tatsächlich haben einige ihren Partner verloren und manchmal auf neuem Wege wieder gefunden. Wir stehen hier ganz offensichtlich an einem Schlüsselthema unseres Lebens. Bei der Einführung der freien Sexualität geht es nicht um eine ideologische Vorentscheidung für Monogamie oder Polygamie, sondern um die Ermöglichung einer neuen Erfahrung. 

Zuerst einmal will ich klären, was mit freier Sexualität gemeint ist. Es geht um Wahrheit und Vertrauen in der Geschlechterbeziehung, es geht vor allem um Wahrheit im Bereich unseres sexuellen Begehrens. Es geht nicht um wahllose Promiskuität und unverbindliche Beziehungen. Es geht darum, daß ein Liebespartner, der einen "Seitensprung" gewagt hat, seine Partnerin nicht belügt! Das ist ein ethischer Imperativ. Wir können keine freie Sexualität verwirklichen, wenn dabei jemand belogen werden muß. Es gibt ethische Gebote, die dies nicht zulassen. Die Kultur der freien Sexualität ist mit diesen Geboten fest verbunden. Wir kennen die Seelenqual eines Partners, der seine sexuelle Beziehung zu einer anderen Person verheimlichen muß. Es ist grausam für alle Beteiligten und für die Kinder. Dieses Elend hat oft tödliche Konsequenzen. Es handelt sich hier nicht um ein privates Konfliktthema, sondern um ein gesellschaftliches. Wie viele Tragödien gehen auf das Konto einer verlogenen Sexualmoral! An verunglückter Liebe sterben mehr Menschen als an irgendeiner anderen Todesursache. Hier muß ein neues Konzept der Heilung in den Kulturaufbau der menschlichen Gesellschaft eingebracht werden. Das war und ist der Gedanke, den wir vor einigen Jahren unter dem Titel "Sexpeace" in die Welt gebracht hatten. Sexpeace - Friede der Geschlechter! 

Freie Sexualität ist keine Verordnung, sondern ein Angebot. Die Menschen mögen die Erfahrung der freien Sexualität machen und dann entscheiden, ob sie monogam, polygam oder sonstwie gam leben wollen.  Wichtig ist, daß die Erfahrung in einem sozialen und ethischen Milieu des Vertrauens gemacht wird. Also nicht drauflos mit ausgeschaltetem Geist, sondern umgekehrt: den Geist einschalten und dann handeln. In diesem Sinne nannten wir unser Projekt humorvoll eine "klösterliche Akademie für freie Sexualität". Mit dem Wort "klösterlich" meinen wir den heiligen Geist der Wahrheit und keine graue Frömmigkeit.

Freie Sexualität ist an drei Prinzipien gebunden, ohne die sie niemals funktionieren kann: an Kontakt, Vertrauen und Solidarität. Damit Mann und Frau in ihrem wechselseitigen Verlangen wieder wahrheitsfähig werden und nicht mehr heimlich schwindeln müssen, brauchen sie Kontakt, Vertrauen und Solidarität. Das ist eine Menge. Kontakt bedeutet, daß wir die Seele des anderen sehen und nicht nur seinen Leib. Vertrauen bedeutet, daß wir uns nicht mehr belügen, auch nicht heimlich. Solidarität bedeutet, daß Mann und Frau sich solidarisch begegnen, in aufrichtiger Freundschaft und Kooperation, ohne Verurteilung und Ironie. Diese Voraussetzungen sind in der bestehenden Welt meistens nicht gegeben. Es bleibt uns deshalb nichts anderes übrig, als neue Systeme zu entwickeln, in denen es wieder möglich wird, unser Leben an den menschlichen Grundwerten zu orientieren. Wir brauchen ein System des menschlichen Zusammenlebens, in dem sich die Menschen wieder vertrauen können. Ein System, in dem Lüge und Betrug keinen evolutionären Vorteil mehr bieten. Ein System, wo die sexuelle Beziehung eines Menschen zu einem anderen in einem Dritten keine Angst und keinen Haß mehr hervorruft. - Dies waren einige Kerngedanken für die Gründung unseres Projekts. Zusammen mit den ökologischen Gedanken bilden sie den Grundbestand unserer Ausbildung, intern, und nach außen durch die Schule Terra Nova.

Kommen wir zurück auf das Problem: Wie lösen wir den scheinbaren Widerspruch zwischen freier Liebe und Zweierliebe, zwischen freier Sexualität und Partnerschaft? Da ist tatsächlich ein reales Problem, denn wir Menschen wollen nicht nur freie Sexualität, wir wollen oft auch eine stabile und dauerhafte Partnerschaft "bis daß der Tod euch scheide". Plötzlich stehen wir vor einem scheinbar unlösbaren Konflikt: dem Konflikt zwischen dem neuen Bild der freien Sexualität und dem alten Archetyp der Ehe. Das archetypische Bild der Ehe, der ewigen Beziehung zwischen einem Mann und einer Frau sitzt tief in der menschlichen Seele. Wir alle kennen es, und in uns allen existiert eine Sehnsucht in dieser Richtung. Jede Sehnsucht wartet auf Erfüllung; es gäbe die Sehnsucht gar nicht, wenn es nicht auch eine Erfüllung gäbe, denn unsere Sehnsüchte sind nicht beliebig. Wenn eine Gemeinschaft ganz auf freie Sexualität setzt und dabei diese tiefe Sehnsucht ignoriert, dann wird sie ganz sicher scheitern. Wir können hier die dialektische Theorie von Hegel anwenden: These-Antithese-Synthese. Die These war die Ehe. Die Antithese war die freie Sexualität. Die Synthese ist ein neues System, in welchem These und Antithese auf höherer Ebene aufgehoben oder vereinigt sind. Wir arbeiten seit einigen Jahrzehnten daran, diese Synthese zu finden.  

Viele Menschen, die in diesem Projekt durch Dick und Dünn gegangen und dabeigeblieben sind, spüren jetzt den "dritten Weg" und die reale Möglichkeit, das eine zu gewinnen, ohne das andere zu verlieren. Langsam verstehen sie den Satz, der ganz am Anfang des Projektes stand und in allen unseren Veröffentlichungen wiederholt wurde: Freie Sexualität und Partnerschaft schließen sich nicht aus, sondern ergänzen einander. Wer in einer festen Beziehung lebt, braucht keine Angst zu haben, wegen anderer Sexualkontakte den Partner zu verlieren. Und wer in freier Sexualität lebt, braucht keine Angst zu haben, das Glück einer festen Partnerschaft zu verpassen. Alle diese Konflikte existieren nur in unserem Kopf, nicht in der Logik der Dinge. Denn die beiden Dinge - Ehe und freie Sexualität - ergänzen sich, sie gehören zusammen und bilden zusammen das Wesen einer neuen erotischen Kultur. Aber sie passen nur zusammen unter bestimmten sozialen und ethischen Voraussetzungen. Der scheinbare Widerspruch zwischen freier Sexualität und Zweiersexualität ist nur auf einer höheren Ordnungsebene auflösbar. 

Was ist die höhere Ordnungsebene? Es ist mit einem Wort: die Ebene des Vertrauens. Solange das Mißtrauen zwischen den Geschlechtern besteht, ist der Widerspruch nicht auflösbar. Sobald wirkliches Vertrauen entsteht, ist er bereits aufgelöst, denn es ist selbstverständlich, daß beide Partner immer wieder Lust auf andere haben, und es ist auch selbstverständlich, daß eine echte Liebesbeziehung nicht daran zerbricht. Ich wünsche allen Paaren, die von weither nach Tamera kommen, daß sie diese Selbstverständlichkeit finden und verstehen. Eifersucht gehört nicht zur Liebe. Wir brauchen eine Weile, um uns von den alten Konditionierungen zu lösen. Und doch ging es bei den meisten Mitarbeitern überraschend schnell. Wenn die beiden Geschlechter sich ganz frei zu ihren polygamen Freuden bekennen können, dann können sie ebenso frei ihre Partnerschaft aufbauen, denn sie haben das heimliche Mißtrauen ausgelöscht. Wenn sie auf gelegentliche Seitensprünge ihres Partners nicht mehr mit Eifersucht reagieren, beginnt ihre sexuelle Liebe zueinander auf neue Weise zu wachsen. Wenn einer von ihnen in einen Konflikt gerät, können wir ihm oder ihr nur sagen: Folge der Liebe!

Mit dem Prinzip der freien Sexualität ergab sich ein neues Klima unter den Frauen. Da sie in neuer Offenheit ihre Geheimnisse offenbaren konnten, ergab sich eine neue Form von Frauensolidarität. Eine Frau verliebt sich in den Mann ihrer Freundin. Die Freundin merkt das und bietet ihr ihren Wohnwagen an, damit die beiden eine Nacht miteinander verbringen können. Solche und ähnliche Geschichten sind in Tamera kein Märchen. Daß zwei Frauen denselben Mann lieben, ist unter den Bedingungen von Wahrheit und Solidarität kein Grund für Feindschaft. Das neue Frauenfeld befreit die Frau ein Stück weit von ihrer Fixierung auf den Mann und gibt ihr dadurch die Möglichkeit, sich neu mit ihren weiblichen Quellen zu verbinden.   

Die Liebe kommt, wenn zwei Partner sich innerlich zu sehen beginnen. Es kommt nicht so oft vor, daß Mann und Frau sich gegenseitig "sehen", denn ihre Begegnung ist von vornherein geprägt durch Konvention und Projektion. Es sind für den Mann vor allem die sexuellen Signale der Frau, auf die er reagiert, ohne zu sehen, wer diese Frau wirklich ist und was sie braucht. Es ist auch eine unbewußte Verklärung, mit welcher der Mann auf die "richtige" Frau reagiert, wenn er sie trifft. Er ist in ihrer Nähe nicht mehr Herr seiner Sinne. Sie ist für ihn das Höchste. Sie ist Geliebte, Mutter, Hure und Heilige zugleich. Es gibt im unterbewußten Seelenschatz der Männer eine fast unglaubliche Verehrung der Frau, die nicht zusammenpaßt mit dem "ordinären" sexuellen Verlangen. Die Heilige und die Hure gleichzeitig, wie soll der Mann damit fertigwerden? In der patriarchalen Epoche hat er dieses Problem dadurch gelöst, daß er die Frau im realen Leben erniedrigt und im kirchlichen Leben zur heiligen Madonna erhöht hat. "Notre Dame" heißen die gotischen Kathedralen. Auf der einen Seite haben sie das "Ave Maria" gebetet, auf der anderen Seite haben sie die Frauen verbrannt. Das Trauma hat sich tief eingeschrieben in die Seelen. Bis heute herrschen auf beiden Seiten die Gesetze von unbewußten psychologischen Projektionen, die aus einer langen, fürchterlichen Geschichte hervorgegangen sind. Die menschliche Gesellschaft war nicht in der Lage, das Thema der Geschlechter auf eine humane Weise zu lösen.

Die menschliche Gesellschaft ist das Produkt von Menschen, nicht von Göttern. Die darin geltenden Gesetze wurden von Menschen gemacht und können deshalb von Menschen korrigiert werden. Ein solches Gesetz ist zum Beispiel die verordnete Monogamie, das heißt die Pflicht zweier Eheleute, auf andere Sexualkontakte zu verzichten. Durch diesen Schwur wurde unendlich viel Leid produziert, denn dieses Verbot widerspricht meistens der menschlichen Natur. Beide Geschlechter sind tendenziell polygam veranlagt. Sobald sie dies voreinander verbergen müssen, beginnt die Lüge, das Mißtrauen und die langsame Verwandlung der Liebe in Haß. Wenn Liebespaare oder Ehepaare zu uns kommen, erleben wir oft die gleiche Verlaufsgestalt: Zuerst beginnt der Mann mit dem Austritt aus der Eheschranke, nach einiger Zeit kommt die Frau nach und beginnt, sich sexuell auszuleben. Darauf reagiert der anfangs so mutige Mann oft mit einer eifersüchtigen Verlustangst, die er ungern zugibt. Nach einiger Zeit arrangieren sich die beiden. Sie stehen jetzt vor der Möglichkeit, auf einer ganz neuen Ebene zusammen zu bleiben.

Wenn die sexuellen Verbote aufgehoben sind, reagiert das weibliche Geschlecht anfangs schüchtern, dann immer stärker mit einer vorbehaltlosen Freude. Viele Frauen lieben den Sex, und sie lieben es noch viel mehr, als die hohen Gesetze der Menschenwürde es erlauben. Das ist eine Tatsache, die wir akzeptieren müssen. Warum eigentlich soll es nicht akzeptiert werden? Sexualität ist eine natürliche Funktion des menschlichen Organismus und erzeugt eine der höchsten Freuden, die uns im irdischen Leben gewährt sind. Sexualität überfällt uns manchmal mit einer so unwiderstehlichen Macht, daß es einem Wahnsinn gleichkommt, hier moralisch zu kontern. Diesen Kampf haben wir von vornherein verloren, denn der Sexus ist eine Weltmacht. Statt diese Macht zu bekämpfen, sollten wir sie dankbar annehmen. Nur dann können wir uns von ihrer Dämonie befreien. Und darauf kommt es in einer humanen Gesellschaft an: daß wir ihre sexuellen Explosivkrafte humanisieren, indem wir sie annehmen und in unser kulturelles Leben integrieren.

Solange ein wesentlicher Teil unserer sexuellen Triebkräfte verdrängt werden muß, werden  sadistische Exzesse, Kinderpornografie, psychosomatische Erkrankungen, Gewalt und Krieg die Folge sein. Gewalt an Frauen gehört zum Alltag der patriarchalen Welt. Hinter den Kulissen der modernen Gesellschaften schwelt schon lange ein heimlicher Geschlechterkrieg, der immer zu tun hat mit dem Thema der unerfüllten Sexualität. Beide Geschlechter leiden an einem Sexualhunger, den sie voreinander nicht eingestehen können. Angesichts der Eifersuchtsdramen unserer Zeit, angesichts der schrecklichen Folgen für die Kinder und angesichts der ethischen Wahrheit erheben wir die freie Sexualität zu einem Grundstein der neuen Kultur. 

Was geschieht dann mit der Ehe, mit Partnerschaft und mit jener tieferen Liebe, die uns veranlaßt, einander die ewige Treue zu schwören? Das ist eine mysteriöse Frage. Denn es gibt tatsächlich diese tiefere Liebe und es gibt die ewige Treue zweier Menschen. Aber was hat uns veranlaßt, diese Treue mit dem Verbot "außerehelicher Beziehungen" zu verbinden? Was ist das für eine Liebe, die durch solche Verbote geschützt werden muß? Die Zweierbeziehung von Mann und Frau ist natürlich einer höheren Belastung ausgesetzt, wenn beide Partner "fremdgehen" dürfen. Aber dafür sind beide auch von einer großen inneren Last befreit, wenn sie es dürfen. Mehr noch: Für beide ist es meistens eine Bereicherung, denn sie finden neue Lust aufeinander, wenn sie sich nicht zu selbstverständlich geworden sind. Nichts ist einer lebendigen Liebesbeziehung abträglicher als die alltägliche Routine im Sex. Zum erotischen Leben gehören Abwechslung, Überraschung, Entdeckung und Eroberung. "Du kannst nur treu sein, wenn du auch andere lieben darfst." So steht es in unseren Büchern. 

Sicher gibt es auch eine authentische Form der monogamen Ehe. Das Sakrament der Ehe enthält einen tiefen Kern. Wenn zwei Liebende in ihrer Liebe an den Punkt kommen, wo sie in tiefem Einverständnis beschließen, ihre Sexualität ganz füreinander aufzuheben, dann mögen sie dies tun. Hier gibt es kein Gesetz, nur die innere Wahrheit. In unseren Gemeinschaften empfehlen wir immer wieder den neuen Paaren, für eine Weile monogam zu bleiben, um die junge Liebe nicht in den Verführungen der freien Sexualität zu verlieren. Wir arbeiten nicht gegen, sondern für die Partnerschaft von Mann und Frau, wo immer sie authentisch entsteht. Aber wir glauben nicht, daß das Glück des menschlichen Lebens vor allem von einer erfüllten Partnerschaft abhängt.

Ab wann wird ein Mensch eigentlich partnerfähig? Ist es nicht gut, wenn er oder sie genügend sexuelle Erfahrungen gesammelt hat, bevor sie sich das Ja-Wort geben? Es ist meistens das erste sexuelle Urerlebnis, welches zwei junge Menschen veranlaßt, sich in ihrem Glück die ewige Treue zu schwören. Das ist in der Regel der Anfang vom Ende. Denn nicht die Sexualität, sondern die seelische Zusammengehörigkeit ist die Basis einer dauerhaften Beziehung. Wir müssen Lebensverhältnisse schaffen, wo die Menschen zu solchen Unterscheidungen fähig sind. Das sind Lebensverhältnisse des Vertrauens. Sowohl in der freien Sexualität wie auch in der Partnerliebe brauchen wir ein absolutes Vertrauen. Wir brauchen Gemeinschaften, die das verlorene Vertrauen der Menschheit wieder aufbauen. Wo Vertrauen ist, da gibt es keine Lüge und keine Gemeinheit. Da kann sich eine neue erotische Kultur entwickeln, wie sie in der Entelechie des Menschen angelegt ist. Eine wunderbare Verbindung von freier Sexualität und Partnerschaft. Wenn es gelungen ist, in der Liebe Frieden zu schaffen, dann entsteht Frieden in der ganzen Welt, die ganze Evolution mit allen Kindern und Tieren macht einen Jubelsprung nach vorn.

Zum Schluß noch eine geschichtliche Anmerkung. Unsere ganze Zivilisation ist durchzogen vom Drama der Geschlechter. Die männliche Welt mußte die Frau erniedrigen, um ihrer sexuellen Ausstrahlung gewachsen zu sein. Unsägliche Grausamkeiten mußte das weibliche Geschlecht erdulden. Noch vor dreihundert Jahren wurden Frauen lebendig verbrannt, weil sie attraktiv waren und deshalb von der männlichen Ohnmacht dämonisiert wurden. Trotzdem hat das weibliche Geschlecht seine Liebe zum Mann nicht verloren. Als Mann kann ich für diese weibliche Treue nur dankbar sein. Wir arbeiten an einem Projekt, wo sich beide Geschlechter für immer von den Gespenstern der Vergangenheit befreien.

Im Namen unserer Kinder.

Im Namen aller Kreatur.

Danke und Amen.         

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